Arthrose in der Schulter ist seltener als Arthrose in Hüfte und Knie, weil die Schulter nicht dein Körpergewicht trägt. Aber es gibt sie, und sie kann eine Schulter machen, die steif ist, tief schmerzt und knirscht, wenn du sie bewegst. Dieser Artikel handelt davon, wie du Arthrose von den anderen Schulterschmerzen unterscheidest, was laut Forschung wirkt und wann eine Prothese überhaupt infrage kommt.
Arthrose ist eine der fünf häufigen Ursachen für Schulterschmerzen, die im Ratgeber zu Schulterschmerzen zusammengefasst sind. Sie ist auch die, die am häufigsten mit etwas anderem verwechselt wird, weil das Wort „Verschleiß“ für fast alles benutzt wird, was in einer Schulter über 50 wehtut.
Was ist Arthrose in der Schulter?
Arthrose ist ein Zustand in einem Gelenk, bei dem der Knorpel dünner und unebener wird, sich der Knochen unter dem Knorpel verändert und das Gelenk steif und empfindlich wird. Es ist kein „Verschleiß“ in dem Sinne, dass das Gelenk aufgebraucht ist. Knorpel ist lebendes Gewebe, das ständig umgebaut wird, und bei Arthrose ist dieser Umbau aus dem Gleichgewicht geraten. Viele mit deutlicher Arthrose auf dem Röntgenbild haben keine Schmerzen, und viele mit Schmerzen haben nur kleine Veränderungen. Bild und Schmerz gehen nicht Hand in Hand.
In der Schulter gibt es zwei Gelenke, die Arthrose bekommen können, und es ist wichtig, sie auseinanderzuhalten:
Das eigentliche Schultergelenk, wo der Kopf des Oberarmknochens auf die Schale des Schulterblatts trifft. Es heißt Glenohumeralgelenk. Arthrose hier gibt tiefe Schmerzen innen in der Schulter, Steifheit in alle Richtungen und ein Gelenk, das knirscht und reibt. Sie trifft meistens ältere Menschen und kommt häufiger bei denen vor, deren Schulter früher ausgerenkt war oder die eine größere Schulterverletzung hatten (1).
Das AC-Gelenk, das kleine Gelenk oben auf der Schulter, wo das Schlüsselbein auf das Schulterblatt trifft. Arthrose hier ist auf Bildern nach 40 sehr häufig, oft ohne Beschwerden (2), und wenn es wehtut, sitzt der Schmerz ganz oben auf der Schulter. Das ist ein anderer Zustand mit einer anderen Behandlung. Mehr dazu in Das AC-Gelenk: Verletzung und Arthrose oben auf der Schulter.
Der Rest dieses Artikels handelt vom eigentlichen Schultergelenk.
So fühlt es sich an
Arthrose im Schultergelenk kommt langsam. Die meisten beschreiben einen tiefen Schmerz innen in der Schulter, der nach Aktivität und nachts am schlimmsten ist, und eine Steifheit, die es schwer macht, den Arm nach außen zu drehen, hinter den Rücken zu greifen und oben in den Schrank zu reichen. Die Schulter knirscht und reibt bei Bewegung, und die Beweglichkeit nimmt über Monate und Jahre ab.
Was Arthrose von den häufigeren Sehnenschmerzen unterscheidet, ist die Steifheit. Bei Schmerzen der Rotatorenmanschette tut es weh, den Arm zu heben, aber jemand anderes kann ihn für dich nach oben führen. Bei Arthrose kommt der Arm nicht weiter, egal wer ihn hebt. Dieselbe Steifheit sieht man bei der Frozen Shoulder, und die beiden lassen sich ohne Röntgenbild schwer unterscheiden. Das ist tatsächlich eine der wenigen Situationen, in denen ein Röntgenbild der Schulter etwas ändert. Mehr dazu in Steife Schulter: Kannst du den Arm nicht über den Kopf heben?
Was sagt die Forschung?
Es gibt keine großen randomisierten Studien zum Training bei Arthrose in der Schulter, wie es sie für Knie und Hüfte gibt. Was es gibt, sind Leitlinien und Übersichtsarbeiten, die auf Erfahrung und auf dem beruhen, was wir von anderen Gelenken wissen (1).
Ihre Botschaft ist dieselbe wie für alle Gelenke mit Arthrose. Der erste Schritt ist Wissen über den Zustand, Training, das das Gelenk beweglich und die Muskeln kräftig hält, und Schmerzmittel, wenn sie nötig sind. Kortisonspritzen können eine Zeit lang lindern, aber die Wirkung ist kurz, und wiederholte Spritzen werden nicht empfohlen. Mehr dazu in Kortisonspritze in die Schulter.
Von Knie und Hüfte wissen wir, dass Training und Aufklärung genauso gut gegen den Schmerz wirken wie Schmerzmittel und dass sie in allen dänischen und internationalen Leitlinien die erste Wahl sind. In Dänemark ist das im Programm GLA:D für Knie und Hüfte zusammengefasst. Ein entsprechendes Programm für die Schulter gibt es nicht, aber die Prinzipien sind dieselben: Belastung, die nach und nach steigt und mit der das Gelenk mithalten kann.
Das Wichtigste, was die Forschung sagt, ist deshalb eine Verneinung: Es gibt keinen Beleg dafür, dass Ruhe hilft, und keinen Beleg dafür, dass eine Schulter mit Arthrose schlimmer wird, wenn sie benutzt wird. Im Gegenteil. Knorpel bekommt seine Nährstoffe durch Bewegung, und die Muskeln um das Gelenk sind das, was es entlastet.
Was wirkt
Jeden Tag Beweglichkeit. Das Wichtigste, was du selbst tun kannst, ist, die Beweglichkeit zu halten, die du hast. Eine Schulter mit Arthrose wird steif, wenn sie nicht benutzt wird, und auf lange Sicht ist die Steifheit schlimmer als der Schmerz. Beweg den Arm jeden Tag durch das, was er kann, in ruhigem Tempo und ohne zu forcieren.
Kraft um das Schulterblatt. Die Muskeln, die das Schulterblatt steuern, sind das Fundament der Schulter. Wenn sie kräftig sind, sitzt der Kopf des Oberarms besser in der Schale, und das Gelenk wird gleichmäßiger belastet.
Eine Schmerzgrenze, mit der du arbeiten kannst. Schmerzen bis 5 auf einer Skala von 0 bis 10 während einer Übung sind akzeptabel, wenn sie sich danach beruhigen und am nächsten Morgen nicht schlimmer sind. Sind sie schlimmer, war es zu viel, und du gehst eine Stufe runter. Mehr dazu in Darfst du mit Schulterschmerzen trainieren?
Wärme. Viele mit Arthrose merken, dass Wärme eine steife Schulter vor dem Training lockert. Das ändert die Erkrankung nicht, aber es macht das Training leichter. Mehr dazu in Was ist besser: Kälte oder Wärme?
Was nicht wirkt
Ruhe wirkt nicht, außer an den Tagen, an denen das Gelenk akut aufflammt. Nahrungsergänzungsmittel wie Glucosamin und Chondroitin haben bei Arthrose in keinem Gelenk eine überzeugende Wirkung gezeigt. Dehnen allein ändert den Schmerz nicht, auch wenn es sich gut anfühlen kann. Mehr dazu in Hilft Dehnen gegen Schulterschmerzen?
Und auch das Wort „Verschleiß“ wirkt nicht. Es bringt viele dazu, die Schulter zu schonen und weniger zu benutzen, und das ist genau das Gegenteil von dem, was das Gelenk braucht.
Übungen für eine Schulter mit Arthrose
Die Übungen hier stammen aus dem Katalog von Rehabo und brauchen keine Geräte. Bei Arthrose fängst du meistens auf den passiven Stufen an, bei denen der gesunde Arm die Arbeit macht, und gehst höher, wenn es leicht ist. Dosierung: 3 Sätze zu 30 bis 40 Sekunden, ruhiges Tempo, mit Pause dazwischen.
Außenrotation
- Sitz oder steh mit dem Ellenbogen am Körper, 90 Grad gebeugt.
- Stufe 1: Fass die Hand mit der gesunden Hand und führ den Unterarm nach außen, weg vom Bauch. Halte den Ellenbogen am Körper.
- Stufe 2: Dreh den Unterarm selbst nach außen, nur so weit, wie es angenehm ist.
- Stufe 3: Leg dich auf den Bauch, den Oberarm über die Bettkante und eine Wasserflasche in der Hand. Dreh den Unterarm zur Decke.
- Stufe 4: Stell dich mit dem Handrücken an einen Türrahmen und drück nach außen, ohne dass sich der Arm bewegt. Bau den Druck über 2 bis 3 Sekunden auf, halte ihn gleichmäßig, atme weiter.
Die Außenrotation ist die Bewegung, die die Arthrose als Erstes nimmt. Deshalb solltest du an ihr festhalten.
Schulterflexion
- Sitz oder steh, der Arm hängt vor dir.
- Stufe 1: Fass das Handgelenk mit der gesunden Hand und heb den Arm gerade nach vorn und oben.
- Stufe 2: Heb den Arm selbst nach vorn, den Daumen nach oben, nur so hoch, wie es angenehm ist.
- Stufe 3: Mach dasselbe mit einer Wasserflasche.
- Stufe 4: Drück die geballte Faust gegen eine Wand vor dir, ohne dass sich der Arm bewegt.
Schultern zurückziehen
- Sitz oder steh mit locker hängenden Armen.
- Stufe 1: Zieh die Schulterblätter ruhig nach hinten und unten, als wolltest du sie in die Gesäßtaschen stecken, und lass wieder los.
- Stufe 2: Mach dasselbe, während du die Arme leicht vom Körper hebst.
- Stufe 3: Halte eine Wasserflasche in jeder Hand.
- Stufe 4: Zieh nach hinten und halte die Spannung 5 Sekunden.
Scapula-Liegestütze
- Stell dich mit gestreckten Armen hin, die Handflächen auf Schulterhöhe an einer Wand.
- Lass die Brust zwischen den Schulterblättern nach vorn sinken und drück dich dann weg, sodass die Schulterblätter auseinandergehen. Die Ellenbogen bleiben die ganze Zeit gestreckt.
- Steigerung: Nimm die Hände an einen Tisch, dann auf ein Sofa, dann auf den Boden.
Alle vier Leitern und weitere findest du in Die besten Übungen gegen Schulterschmerzen.
Ein Schulterprogramm, das sich anpasst
Rehabo baut ein Reha-Programm für die Schulter danach auf, wo es wehtut und wie stark. Du bekommst vier Übungen pro Training ohne Geräte, und nach jeder Übung sagst du, wie sehr es wehgetan hat. Je nach Antwort geht das Programm eine Stufe hoch, bleibt oder geht eine Stufe runter. Es wurde von Physiotherapeuten entwickelt, und du kannst kostenlos anfangen.
Erstelle dein Schulterprogramm
Wann kommt eine Prothese infrage?
Eine Schulterprothese ist eine Operation, bei der die abgenutzten Gelenkflächen durch Metall und Kunststoff ersetzt werden. Bei den richtigen Patienten bringt sie gute Ergebnisse beim Schmerz, aber sie ist ein großer Eingriff mit monatelangem Reha-Training. Sie wird erst erwogen, wenn Schmerz und Funktion trotz eines ordentlichen Versuchs mit Training und Medikamenten schlecht sind und wenn die Arthrose auf dem Röntgenbild deutlich ist (1).
In der Praxis heißt das: Eine steife, schmerzhafte Schulter, die monatelang regelmäßig trainiert wurde, ohne sich zu bessern, und die Nachtschlaf und Alltag ruiniert, ist ein Gespräch in deiner Hausarztpraxis wert. Dort lässt sich klären, ob ein Röntgenbild und eine Beurteilung bei einem Schulterchirurgen sinnvoll sind, der einschätzen kann, ob und wann eine Prothese Sinn ergibt. Mehr dazu in Musst du an der Schulter operiert werden?
Geh früher zum Arzt, wenn die Schulter warm, rot und geschwollen ist, wenn du Fieber hast oder wenn der Schmerz nach einem Sturz kommt. Das ist keine Arthrose.
Fazit
- Arthrose in der Schulter ist seltener als in Hüfte und Knie, aber es gibt sie, vor allem bei Älteren und bei Menschen mit früheren Schulterverletzungen.
- Das Kennzeichen ist Steifheit: Der Arm kommt nicht weiter, egal wer ihn hebt. Das unterscheidet Arthrose von Sehnenschmerzen.
- Halte Arthrose im eigentlichen Schultergelenk und Arthrose im AC-Gelenk oben auf der Schulter auseinander. Sie werden unterschiedlich behandelt.
- Die Behandlung ist dieselbe wie bei allen Gelenken mit Arthrose: Wissen, tägliche Beweglichkeit, Kraft um das Schulterblatt und Schmerzmittel, wenn sie nötig sind.
- Eine Prothese wird erst erwogen, wenn Training und Medikamente ordentlich ausprobiert wurden und der Alltag trotzdem ruiniert ist.