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Arthrose der Halswirbelsäule: was sie bedeutet und was nicht

Vielleicht hat man dir gesagt, dass du Arthrose im Nacken hast. Vielleicht stand „degenerative Veränderungen“ oder „Spondylose“ in einem MRT-Befund, und vielleicht klang es, als wäre dein Nacken bald aufgebraucht.

Das ist er nicht. Arthrose im Nacken ist eine der häufigsten Veränderungen im menschlichen Körper, und sie findet sich bei den meisten Menschen über 50, ob sie Schmerzen haben oder nicht. Dieser Artikel erklärt, was hinter dem Wort steckt, warum das Bild selten etwas entscheidet, wann es sich trotzdem lohnt, den Nacken untersuchen zu lassen, und was du selbst tun kannst, damit dein Nacken mehr verträgt.

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Was ist Arthrose der Halswirbelsäule?

Der Nacken besteht aus sieben Wirbeln mit Bandscheiben dazwischen und kleinen Gelenken auf der Rückseite, den Facettengelenken. Mit den Jahren werden die Bandscheiben flacher und trockener, die Kanten der Wirbel werden etwas kantiger, und der Knorpel der Facettengelenke wird unebener. Ärzte nennen das zusammen zervikale Spondylose, im Alltag Arthrose im Nacken oder Arthrose der Halswirbelsäule.

Im Alltag spricht man dabei oft von „Verschleiß“, und das Wort ist unglücklich. Es klingt nach einem abgefahrenen Reifen, der nichts mehr aushält. Aber der Nacken ist kein Reifen. Er ist lebendes Gewebe, das sich ständig umbaut und auf das reagiert, wofür du ihn benutzt. Die Veränderungen auf dem Bild sind eher wie graue Haare als wie ein abgefahrener Reifen: Sie kommen mit dem Alter, sie sind normal, und sie sagen sehr wenig darüber, wie es dem Nacken geht.

Das MRT zeigt bei fast allen Veränderungen

Hier wird es wichtig. Forscher haben Menschen ohne Nackenschmerzen gescannt, um zu sehen, wie ein normaler Nacken auf einem Bild aussieht.

In einer Studie mit Menschen ohne Nackenschmerzen hatten etwa 70 Prozent Veränderungen an den Bandscheiben, darunter kleine Vorwölbungen und Risse (1). Eine große Übersicht über die gesamte Forschung fand, dass degenerative Veränderungen der Wirbelsäule mit zunehmendem Alter eher die Regel als die Ausnahme sind. Bei Menschen über 50 hatten die allermeisten ohne Beschwerden Veränderungen auf dem Bild, und bei Menschen über 60 fast alle (2).

Das bedeutet zweierlei. Erstens ist Arthrose im Nacken keine Erklärung dafür, dass du Schmerzen hast, denn die meisten mit denselben Veränderungen haben keine. Zweitens ändert das Bild selten, was du tun solltest. Mehr dazu, wann ein MRT des Nackens sinnvoll ist.

Warum tut es dann weh?

Wenn die Veränderungen auf dem Bild nicht über den Schmerz entscheiden, was dann? Die Antwort: Schmerz ist ein Signal, das das Nervensystem erzeugt, um dich zu schützen, und das Nervensystem kann empfindlicher werden, als die Lage es verlangt.

Hat ein Nacken lange wehgetan, kann das Nervensystem empfindlicher werden. Es reagiert auf weniger Belastung und kann stärker reagieren als vorher. Gleichzeitig fangen viele an, den Nacken weniger zu bewegen und mehr anzuspannen, weil sie Angst haben, es schlimmer zu machen. Die Muskeln verlieren Kraft und Ausdauer, sodass der Nacken weniger schafft. Das kann einen Teufelskreis schaffen, in dem Empfindlichkeit und geringere Belastbarkeit sich gegenseitig in Gang halten, auch wenn das Bild unverändert ist.

Die Forschung verwendet dafür ein Bild mit zwei Linien: eine Schmerzlinie, also die Belastung, bei der der Nacken anfängt wehzutun, und eine Verletzungslinie, also die Belastung, bei der Gewebe tatsächlich Schaden nimmt. Bei einem empfindlichen Nacken ist die Schmerzlinie weit unter die Verletzungslinie gesunken. Das heißt, der Nacken tut weh, lange bevor er in Gefahr ist. Und das heißt, dass du in der Zone zwischen den beiden Linien trainieren und die Schmerzlinie wieder nach oben verschieben kannst. Mehr dazu im Artikel über Nackenschmerzen und ein empfindliches Nervensystem.

Was sagt die Forschung zur Behandlung?

Das Gute an Arthrose im Nacken ist, dass die Behandlung dieselbe ist wie bei anderen lang anhaltenden Nackenschmerzen und dass sie gut untersucht ist.

Krafttraining für Nacken und Schultern wirkt. In einer großen finnischen Studie wurden 180 Frauen mit chronischen Nackenschmerzen ein Jahr lang begleitet. Die, die ihre Nackenmuskeln trainierten, ob mit Kraft oder mit Ausdauer, hatten deutlich weniger Schmerzen als die Kontrollgruppe, während Dehnen und allgemeine Bewegung allein viel weniger wirkten (3). Als die Forscher drei Jahre später nachfragten, hielt die Verbesserung noch immer (4).

Die gesamte Forschung zeigt in dieselbe Richtung. Eine große Übersicht der Cochrane Collaboration fand, dass Krafttraining für Nacken und Schulterbereich bei chronischen Nackenschmerzen hilft, während Dehnen allein, allgemeine Fitness und Atemübungen das wahrscheinlich nicht tun (5).

Beachte, dass keine dieser Studien gefragt hat, wie das MRT der Teilnehmenden aussah. Das Training wirkte auf den Nacken, nicht auf das Bild. Die Arthrose verschwindet durch Training nicht, aber das muss sie auch nicht. Was sich ändert, ist die Belastbarkeit des Nackens und die Empfindlichkeit des Nervensystems.

Was nicht wirkt oder nur wenig

Ruhe und Schonung sind der häufigste Fehler. Ein paar Tage Ruhe bei akuten Schmerzen sind in Ordnung, aber ein Nacken, der wochen- und monatelang geschont wird, wird schwächer und empfindlicher, nicht weniger.

Dehnen allein bringt kurzfristig Erleichterung, ändert aber auf Dauer nichts. Massage und manuelle Behandlung können den Schmerz eine Zeit lang dämpfen und ein guter Anfang sein, aber die Behandlung entfernt die Veränderungen nicht und baut keine Belastbarkeit auf. Eine Halskrause ist keine Behandlung für Arthrose.

Eine Operation kommt nur infrage, wenn die Arthrose auf Nerven oder das Rückenmark drückt und deutliche Ausfälle macht, und das ist selten. Für die allermeisten mit Arthrose im Nacken ist eine Operation kein Thema.

Übungen für einen Nacken mit Arthrose

Die Übungen unten stammen aus dem Katalog von Rehabo. Sie haben mehrere Stufen, sodass du dort anfangen kannst, wo es für dich passt, und sie schwerer machst, wenn sie sich leicht anfühlen. Alle lassen sich zu Hause ohne Geräte machen. Dosis für alle Übungen: 3 Sätze zu 30 bis 40 Sekunden, ruhiges Tempo, mit Pause dazwischen. Schmerzen bis 5 von 10 sind in Ordnung, wenn sie sich bis zum nächsten Morgen wieder beruhigt haben.

Kinn einziehen

  1. Sitz oder steh aufrecht und blick geradeaus.
  2. Stufe 1: Leg zwei Finger an das Kinn und schieb den Kopf ruhig gerade nach hinten, sodass ein Doppelkinn entsteht. Die Finger helfen.
  3. Stufe 2: Mach dasselbe ohne die Finger. Halt den Blick waagerecht.
  4. Stufe 3: Leg die Hand an das Kinn und gib leichten Widerstand, während du den Kopf nach hinten ziehst.
  5. Führ den Kopf jedes Mal ruhig in die Ausgangsstellung zurück. Fühlt sich eine Stufe zweimal hintereinander leicht an, gehst du eine Stufe höher.

Nackenrotation

  1. Sitz aufrecht mit lockeren Schultern.
  2. Stufe 1: Leg die Hand leicht an die Wange und dreh den Kopf mit Hilfe der Hand ruhig zur Seite. Nur so weit, wie es sich angenehm anfühlt.
  3. Stufe 2: Dreh den Kopf selbst zur Seite, das Kinn waagerecht, und zurück.
  4. Stufe 3: Leg die Hand an die Wange und dreh gegen leichten Widerstand.
  5. Wechsle die Seite. Beweg dich langsam und atme normal.

Die tiefen Muskeln vorne am Hals

  1. Leg dich mit einem dünnen Kopfkissen auf den Rücken.
  2. Nick ruhig, als würdest du ein kleines „Ja“ sagen, ohne den Kopf vom Kissen zu heben.
  3. Bau die Spannung über 2 bis 3 Sekunden auf, halt sie gleichmäßig und atme.
  4. Lass ruhig los. Fühlt es sich leicht an, hältst du länger, und später hebst du den Kopf beim Nicken einen Zentimeter vom Kissen.

Seitheben

  1. Steh mit den Armen an den Seiten.
  2. Stufe 1: Heb die Arme ohne Gewicht seitlich bis auf Schulterhöhe und senk sie ruhig.
  3. Stufe 2: Zeichne mit den Armen Halbkreise von der Hüfte bis zur Seite hoch.
  4. Stufe 3: Halt den Kopf leicht schräg geneigt und mach kleine Nickbewegungen, während die Arme ruhen.
  5. Stufe 4: Heb die Arme seitlich mit leicht schräg geneigtem Kopf.
  6. Stufe 5: Heb die Arme mit einer Wasserflasche in jeder Hand, den Kopf leicht schräg geneigt.

Die vollständige Anleitung mit allen Stufen findest du unter die besten Übungen gegen Nackenschmerzen, und mehr darüber, warum Krafttraining für den Nacken wirkt.

Hol dir ein Nackenprogramm, das sich anpasst

Rehabo baut ein Reha-Programm für den Nacken danach auf, wo es wehtut und wie sehr. Du bekommst vier Übungen pro Training ohne Geräte, und nach jeder Übung sagst du, wie sehr es wehgetan hat. Das Programm geht eine Stufe hoch, bleibt oder geht eine Stufe zurück, je nach deiner Antwort. Es wurde von Physiotherapeuten entwickelt, und der Einstieg ist kostenlos.

Stell dein Nackenprogramm zusammen

Wann solltest du zum Arzt?

Arthrose an sich ist kein Grund, zum Arzt zu gehen. Die Beschwerden entscheiden, nicht das Bild.

Geh in deine Hausarztpraxis, wenn ein Arm zunehmend an Kraft verliert, wenn ein Taubheitsgefühl nicht weggeht oder wenn Schmerzen und Kribbeln einem bestimmten Muster in den Arm hinunter folgen. Das kann eine gereizte Nervenwurzel sein, und das sollte beurteilt werden. Mehr dazu im Artikel über den Bandscheibenvorfall im Nacken.

Geh schnell zum Arzt, wenn du Probleme beim Gehen bekommst, ungeschickt mit den Händen wirst, Taubheit in den Füßen bemerkst oder sich das Wasserlassen verändert. Das können Zeichen für Druck auf das Rückenmark sein, und es ist eine der wenigen Situationen, in denen Arthrose im Nacken mehr als Training braucht.

Hast du plötzliche, heftige Schmerzen in Kopf oder Nacken, die du so nicht kennst, zusammen mit Veränderungen beim Sehen, Sprechen, im Gesicht oder beim Gleichgewicht, ruf 112 an.

Fazit

  • Arthrose im Nacken ist eine normale Altersveränderung, die die meisten über 50 haben, auch ohne Schmerzen.
  • Das MRT erklärt den Schmerz selten und ändert selten, was du tun solltest.
  • Beim Schmerz geht es um die Belastbarkeit des Nackens und die Empfindlichkeit des Nervensystems, und beides lässt sich trainieren.
  • Krafttraining für Nacken und Schultern wirkt, auch wenn sich das Bild nicht ändert.
  • Die Beschwerden entscheiden, nicht das Bild, ob du zum Arzt solltest.

Quellen

  1. Ernst CW et al. Prevalence of annular tears and disc herniations on MR images of the cervical spine in symptom free volunteers. European Journal of Radiology 2005. PubMed
  2. Brinjikji W et al. Systematic literature review of imaging features of spinal degeneration in asymptomatic populations. AJNR American Journal of Neuroradiology 2015. PubMed
  3. Ylinen J et al. Active neck muscle training in the treatment of chronic neck pain in women: a randomized controlled trial. JAMA 2003. PubMed
  4. Ylinen J et al. Neck muscle training in the treatment of chronic neck pain: a three-year follow-up study. Europa Medicophysica 2007. PubMed
  5. Gross A et al. Exercises for mechanical neck disorders. Cochrane Database of Systematic Reviews 2015. PubMed